Postby Callid » December 1st, 2009, 4:55 pm
Hmmm...
Ziemlich viel jüngere Geschichte bei dir, oder?
Wir wollten ja über Geschichte diskutieren. Also stelle ich mal eine schöne These auf, gegen die du (ihr?) argumentieren dürft:
"Geschichte nach 1929 (oder, um ein schöneres Datum zu nehmen, 1919) sollte nicht mehr im Geschichtsunterricht, sondern im Sozialkundeunterricht behandelt werden, da wir mit den nachfolgenden Ereignissen noch emotional verbunden sind und diese daher nicht objektiv betrachten können, wie es in der Geschichte aber der Fall sein sollte."
Ich zitiere dazu Joachim Fernau:
"(...) Die Geschichte erzählt Dinge, die niemand gerne hört. Wer sich in die Geschichte versenkt, muss die Gegenwart und das Persönliche vergessen. Oder er soll es lassen.
Die Geschichte kennt kein Gut und Böse, sie spricht nie davon, wir sind es, die das tun. Die Geschichte wagt es nicht. Sie hat zuviel gesehen.
So berichtet zwar die Geschichte, das am 24. August 1572 die "Bartholomäusnacht" stattfand, sie fragt, was sie wollte und was sie nützte (...). Aber sie spricht nicht von den niederträchtigen Herzen jener, die diese Schreckensnacht befahlen, sie lehnt es als zwecklos ab, von den Seufzern zu reden, dem Schrecken, der irrsinnigen Angst der Kinder, dem Jammer der Liebenden, dem Hohn auf Gott.
Tränen als Gewichte nimmt die Geschichte von der Waagschale wieder herunter. Spätestens in einigen Generationen. Geschichte wägt anders. Wer die Tränen für die Geschichte seiner eigenen Gegenwart dennoch darauflegt, erhält ein falsches Gewicht.(...)"
Q: ">>Deutschland, Deutschland über alles...<< / Von Anfang bis Ende / Deutschland - Meine Liebe - Mein Albtraum" - Joachim Fernau, Ullstein, 15. Auflage 2002, S. 268